Rüdiger Wetzel über Unternehmertum und die nötige Gelassenheit

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ein Beitrag von Valentina Stark

Compuritas haucht alten Computern wieder Leben ein. Social Entrepreneurship mit professionell aufbereiteten Computern, die dann der Bildungsförderung dienen. Compuritas holt die meist noch funktionstüchtigen Computer direkt vom Unternehmen ab, setzt sie wieder in Stand und vergibt 2nd-Use Komplettsysteme samt EDV-Kurgutscheinen kostengünstig an sozial Benachteiligte, Schulen und gemeinnützige Organisationen.

Mit Hilfe der Crowdinvesting Kampagne auf CONDA.at konnte das österreichische Unternehmen schon mehr als 90.000 € an Investitionen lukrieren. Bereits 151 Investoren glauben an das Team rund um den Geschäftsführer Rüdiger Wetzl. Wir haben ihn zum Gespräch gebeten um mehr über die Idee und das Unternehmen herauszufinden.

Lieber Rüdiger, hat euer Team mit diesem Erfolg der Crowd-Investing Kampagne gerechnet?
Sagen wir so, wir hatten immer darauf gehofft, dass sich die Dinge so entwickeln würden. Wir hatten auch sehr hart dafür gearbeitet und sind sehr glücklich darüber, unser Ziel mit dem überspringen der Fundingschwelle erreicht zu haben.

Was waren deine Beweggründe für eine CI-Kampagne?
Es ging uns definitiv nicht bloß darum, über einen alternativen Kanal Kapital für unser Start-Up einzusammeln. Als Social Entrepreneurship war es uns ebenso wichtig, von möglichst vielen Personen mit dem notwendigen Vertrauen in unsere Idee ausgestattet zu werden. Derzeit sind es bereits 151 Menschen, die unser Vorhaben nicht nur gut finden, sondern sogar bereit sind, darin zu investieren. Und das finden wir großartig.

Leider findet man in Österreich nicht viele gemeinnützige Unternehmen dieser Art. Wie ist es dazu überhaupt gekommen? Was hat dir an der Idee so gefallen? Welche Funktionen übernimmst du als Geschäftsführer?
Ich würde Compuritas und das Hardware-Vergabeprogramm nicht per se als gemeinnützig definieren. Vielmehr haben wir uns zum Ziel gesetzt, ökologische und soziale Problemstellungen unserer Gesellschaft auf unternehmerische Weise zu lösen. Das garantiert uns im Gegensatz zu rein gemeinnützigen Organisationen die Unabhängigkeit von Förderungen und Spenden und gibt uns als Unternehmer zudem mehr Handlungsfreiheit in der täglichen Arbeit.

Unsere Idee hat für mich einen besonderen Reiz, weil wir aus einer negativen Erscheinung (anfallender Elektronikschrott) zwei positive machen können (Verlängerung Lebenszyklus von IT-Geräten, Armutsbekämpfung durch Bildungsförderung).

Meine Funktion als Geschäftsführer wird in erster Linie der Aufbau des Unternehmensnetzwerkes zum Erhalt von Hardware sowie der Aufbau und die Vernetzung neuer Standorte sein.

Welche Erfahrungen hast du im Laufe der Zeit durch Compuritas gesammelt?
Endlos viele! Im Ernst, rein für die persönliche Lebenserfahrung kann ich nur jedem die Tätigkeit als Selbständige/r bzw. UnternehmerIn empfehlen. Zu den wichtigsten Erfahrungen gehört für mich die Gelassenheit, auf Dinge warten zu können. Denn wenn du beharrlich deinen Weg gehst und damit auch Erfolg hast, dann kommen früher oder später all jene, die du zuvor vergeblich zu erreichen versuchtest, von selbst zu dir. Eine weitere wichtige Erfahrung ist jene, seine eigenen Grenzen kennen zu lernen und diese, im Sinne eines glücklich geführten Lebens, auch zu beachten.

Alleine wäre es für dich wahrscheinlich noch schwieriger gewesen. Worauf seid ihr als Team besonders stolz?
Das Team in seiner jetzigen Form steht erst seit etwas mehr als einem Jahr. Ich finde es enorm wichtig, dass wir uns sowohl beruflich als auch privat prächtig verstehen. Stolz macht uns, neben den gemeinsam erreichten Erfolgen, die Möglichkeit, gemeinsam einen echten Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen und damit als Kollektiv täglich einer tollen Beschäftigung nachgehen zu dürfen.

Gibt es etwas, das du im Zusammenhang mit Compuritas bereust?
Sagen wir so, die Anfangszeit meines mittlerweile fünfjährigen Unternehmerdaseins war alles andere als einfach. Es gab zahlreiche Rückschläge zu verkraften, mehr als einmal stand die Option im Raum, einfach alles hinzuschmeißen und einer „zivilisierten“ Tätigkeit in Form einer Anstellung nachzugehen. Dennoch bin ich mir sicher, dass nicht zuletzt dieser Weg und die erlittenen Strapazen mich zu dem geführt haben, wo ich heute bin. Im Nachhinein ist alles leichter, aber „je ne regrette rien“.

Was würdest du Unternehmen mitgeben, die vor einer CI-Kampagne stehen? Hast du Tipps?
Zur Schonung der eigenen Nerven würde ich zunächst einmal die Fundingschwelle so tief ansetzen, dass das Unternehmen auf jeden Fall weitere Schritte gehen kann. Das Prinzip “ganz oder gar nicht” ist für CI-Kampagnen sicherlich kein gutes. Ist die Fundingschwelle erst einmal erreicht, erhöht das auch das Vertrauen zahlreicher potenzieller InvestorInnen, denn wenn der erste Meilenstein gelingt, dann springen viele gerne auf den Zug auf. Zudem hat es uns sicher geholfen, die Höhe der Investitionssumme mit Anreizen zu verbinden. In unserem Fall war das die Spende eine PC-Systems an SOS-Kinderdorf für Investitionen ab 1.000 Euro.

 

Rüdiger WetzlRüdiger Wetzl hat Germanistik und Kulturmanagement studiert. Jetzt schlägt sein Herz für Computer und soziale Projekte.10 Jahre Erfahrung als IT-Techniker und EDV-Händler machen ihn zum Spezialisten was Computer und Technologien betrifft.

Website: www.compuritas.at

Facebook: Compuritas – Wir bringen Nachhaltigkeit ins Leben

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