Über unverbesserlichen Optimismus und Stehaufmännchen-Mentalität…

Posted by

Der Wohnwagon war nicht nur das erste Crowdinvesting Projekt das auf CONDA.at im März 2013 gestartet ist, sondern wurde auch gleich erfolgreich finanziert. 104 Investoren glaubten von Beginn an das wiener Startup und unterstützten es mit einer Gesamtinvestition von rund € 70.000,-. Knapp ein Jahr nach dem Beginn unserer ersten Crowdinvesting Kampagne lassen wir nun Revue passieren und haben uns mit Theresa Steininger, Geschäftsführerin vom Wohnwagon unterhalten.

Theresa, ihr habt durch die Kampagne auf CONDA.at rund € 70.000,- von der Crowd erhalten. Wofür habt ihr diesen Betrag hauptsächlich eingesetzt und was habt ihr damit bis jetzt erreicht?
Wir haben den Betrag, nach Abzug der Provision und Spesen, wie geplant für den Bau des Prototypen und die Einrichtung unserer provisorischen Werkstatt genutzt. Gekauft wurde Holz, Isoliermaterial, Baumaterial für die Werkstatt, Maschinen – eine kleine Grundausstattung, die für den Anfang genau passt, obwohl wir uns da natürlich immer mehr wünschen. Ein Teil waren natürlich auch Personalkosten, wobei wir bei unseren 3 Werkstatt-Burschen das große Glück hatten, dass die Lohnkosten zum Teil vom AMS gefördert wurden.

Der Prototyp ist fast fertig und wurde Mitte November bereits zum ersten Mal auf einer Messe präsentiert – mit tollem Feedback. Danach kam er wieder in die Werkstatt zum Finish – spätestens ab März, gehen wir wieder auf Tour mit ihm! Geplant sind schon ein paar tolle Dinge: Ein Auftritt bei GEA / Waldviertler auf deren Hausmesse, eine Kooperation mit einer Lichtkünstlerin, die den Wagen im Weingarten inszenieren wird … Wird ein spannendes Jahr für uns!

Was hat euch die CI Kampagne, abgesehen von der Finanzierung, noch gebracht?
Die Crowdinvesting Kampagne war für uns weit mehr als eine reine Finanzierungsmöglichkeit. Wir haben in der Zeit wertvolle Rückmeldungen und jede Menge Feedback bekommen sowie wertvolle Kontakte und ein Netzwerk aufgebaut. Wir haben unsere Branche kennen gelernt und interessante Partner gefunden. Durch das viele Erzählen von der eigenen Idee, vom Projekt, wird auch das Bild im eigenen Kopf immer klarer, wo man hin möchte, in welche Richtung es geht. Sich darüber im klaren zu sein hilft sehr, wenn man gerade vor einem Berg aus Aufgaben steht, von denen man die meisten gerade zum ersten Mal macht.

Was würdest du sagen waren für dich bis jetzt die größten Erfolge für euer Unternehmen und für dich persönlich als Geschäftsführerin?
Dass wir das Crowdinvesting geschafft haben – noch dazu als erstes Handwerks-Unternehmen in Österreich und als erstes Projekt auf CONDA – das war sicher unser erster großer Erfolg. Es hat mir auch viel bedeutet, weil ich überzeugt bin, dass es höchste Zeit für alternative Finanzierungsformen ist und wir das damit beweisen konnten.

Auch die Prototypen-Phase, wo so viele Menschen mit angepackt haben, am Wochenende und in Nachtschichten, war toll. Und dann steht nach wenigen Monaten tatsächlich ein 10m langer Wohnwagon vor dir, von dem du fast ein Jahr geredet hast, das Gefühl kann ich nur schwer beschreiben.

Für mich persönlich als Geschäftsführerin ist immer wieder erstaunlich, dass man das auch so jung schon erreichen kann. Mit 23 Jahren den Schritt zu wagen ist mir zuerst reichlich verrückt vorgekommen, jetzt freue ich mich aber sehr darüber, dass ich den Mut hatte und hoffe, dass ich damit auch anderen JungunternehmerInnen ein bisschen Mut machen kann.

Gibt es etwas das du bzw. ihr seit der Gründung des Unternehmens rückblickend lieber anders gemacht hättet?
Nachher ist man immer gscheiter, klar. Wir hätten zum Beispiel lieber gleich gewusst, was wir vom Fahrgestell alles genau brauchen, anstatt mit dem örtlichen Schlosser tagelang zu tüfteln, welche Aussteifungen für die Statik, welche Anschlussstellen wir brauchen. Dafür wissen wir das jetzt umso genauer.

Wir hätten vielleicht auch gar nicht erst versuchen sollen, einen Kompromiss-Weg beim Dach zu gehen und es teilweise mit Styrophor & Polyester zu bauen, wie uns manche Experten geraten haben. Das wäre bei den Rundungen einfacher gewesen. Das Material war aber so grauslich, dass wir nach den ersten Arbeitsschritten gesagt haben: Schluss! Wir machen das aus Holz und basta. Das war zwar etwas zeitaufwendiger, aber ich bin froh, dass wir das so gemacht haben.

Was wird die Zukunft für den Wohnwagon bringen? Was sind die Milestones für 2014?
Wir haben viel vor und große Visionen. Trotzdem wird für uns 2014 das Jahr des Realismus werden. Dinge auf den Boden bringen, umsetzen, in geregelte Bahnen bringen. 2013 haben sich die Ereignisse überschlagen, jetzt gehen wir einen Schritt nach dem anderen vom „Projekt“ zum „Unternehmen“. Die wichtigsten Milestones sind der erste Verkauf, die Fertigstellung des erste Wagen für einen Kunden und die Weiterentwicklung des Prototypen sowie die Etablierung unseres Zusatzangebots von Workshops über Wohncoaching bis zum Webshop für Autarkie & natürliches Wohnen.
Bezüglich der Fertigung haben wir im Rahmen des Prototypenbaus beschlossen, dass wir mit einem Partner aus dem Waldviertel zusammenarbeiten möchten, um uns hohe Kosten bei der Betriebsanlagengenehmigung und bei den Maschinen zu sparen, solange wir noch keine stabile Auftragslage haben. Wir haben auch schon eine absolute Profi-Truppe gefunden, die hinter unseren Werten steht und die bei den ersten Wägen mit uns zusammenarbeiten wird – wir freuen uns schon darauf!   

Der Prototyp des Wohnwagons wurde ja bereits präsentiert und sieht einfach spitze aus. Könnte ich nun bereits einen Wohnwagon kaufen bzw. was fehlt euch noch für den Verkauf?
Danke! Also wie gesagt: Von unserer Seite steht einer Bestellung nichts mehr im Weg! Da wir jeden Wagen individuell nach Kundenwunsch fertigen, ist der Beginn einer möglichen Bestellung immer ein persönliches Gespräch, wo wir mal unverbindlich klären, was der Kunde braucht, welche Variante für ihn passt, welche Besonderheiten es vielleicht in dem konkreten Fall gibt. Das ist uns wichtig, auf die Art kann man einfach eine ganz andere Verbindung zum Kunden aufbauen und schafft gleich eine gemeinsame Basis. Wir haben auch schon einige Interessenten, mit denen wir in den letzten Verhandlungen sind und sind schon ganz gespannt, an wen der erste Wohnwagon gehen wird!

Gibt es abschließend einen Tipp bzw. Etwas das du in der Gründung stehenden Startups mit auf dem Weg geben möchtest?
Ein guter Plan ist gut. Flexibilität und die Fähigkeit mit knappen Ressourcen zu jonglieren ist sicher noch wichtiger. Während 3 Bälle in der Luft sind daraus 4 zu machen – oder so ähnlich, ein bisschen zaubern lernen – oder zumindest an Magie glauben, ich glaube das ist neben einem unverbesserlichen Optimismus und einer Stehaufmännchen-Mentalität wichtig für GründerInnen. Uns hat es zumindest sehr geholfen! 

Alle Informationen zum Wohnwagon finden Sie auf der Website www.wohnwagon.at sowie natürlich auch auf der Facebook Seite des Unternehmens!

Um ein bisschen mehr über die Personen die hinter diesem grossartigen Projekt stecken zu erfahren, haben wir Theresa Steininger ein paar ganz persönliche Fragen gestellt und diese zu einem Steckbrief zusammengefasst.

Steckbrief: Theresa SteiningerTheresa Steininger, GF Wohnwagon

Aufgewachsen bin ich…
Ich bin in der kleinen 200-Seelen-Ortschaft „Gedersdorf“ in der Nähe von Krems aufgewachsen. Landidylle pur, ganz weit weg von Unternehmertum, Gründung, Risiko… Aber irgendwie war ich da auch schon immer die, die Sachen angezündet und neue Projekte angefangen hat, meine Eltern fragen sich immer, woher ich das hab, stehen aber voll hinter mir, was mir sehr gut tut. 

 

Mein Bildungsweg und die wichtigsten beruflichen Stationen in Kürze:
Bis WOHNWAGON war das alles sehr straight, 3 Jahre bis zum Bachelor (Kommunikationswirtschaft), 2 Jahre zum Master (Unternehmensführung), daneben Praktika, kleine selbstständige Projekte… Nach dem Bachelor-Studium habe ich mich mit 2 Kollegen mit einer kleinen Werbeagentur „feinripp“ selbstständig gemacht, was bis jetzt gut funktioniert – und jetzt bin ich bei Wohnwagon gelandet! 

 

Zum Wohnwagon kam ich…
Über meine Agentur feinripp. Christian Frantal ist der Vater meiner Agentur-Partnerin und war schon Kunde der Agentur. Er hatte die Idee und ist zuerst auf uns zugekommen, ob wir das Marketing, den Vertrieb unterstützen wollen. Ich war aber so begeistert von der Idee, dass das einfach zusammengewachsen ist. Christian hat mir irgendwann dann sogar die Geschäftsführung angeboten, damit er sich ganz auf Design, Technik & Handwerk konzentrieren kann. Bis jetzt hab ich’s nicht bereut! 

 

Meine persönlichen Erfolge seit den Anfängen vom Wohnwagon…
Persönlich geht es mir wengier um konkrete große Erfolge, es ist bei Wohnwagon etwas anderes, das mich täglich motiviert, das zu machen: Ich hab das Gefühl mit dem Projekt jeden Tag 10cm zu wachsen. Eine bessere Ausbildung als ein “Entrepreneurship-Jahr” gibt es glaube ich nicht. Betriebswirtschaft, rechtlichen Fragen, Mitarbeiterführung, Kommunikation, Marketing, Design, Prozessmanagement und Bauphysik, Statik und Materialwirtschaft, Verhandlungstechnik und natürlich Stressmanagement – ein schönes Vorlesungsverzeichnis für eine Arbeitswochen! 

 

Ein paar Worte über das Wohnwagon-Team:
Das Team ist einfach unglaublich. Vielseitig, gscheit, wahnsinnig engagiert – macht einfach Spaß mit solchen Menschen zu arbeiten!
 
Das wünsche ich mir persönlich für meine Zukunft…
Dass Wohnwagon ins Rollen kommt! Ich wünsch mir, dass sich da ein gesundes Unternehmen entwickelt, dass wir die schwierige Startphase überstehen und dass die Idee um sich greifen kann. Ich würde gern ein funktionierendes Ökosystem aufbauen, das den Leute, die damit zu tun haben einfach gut tut.  

 

 

 

Share on FacebookEmail this to someoneShare on LinkedInShare on Google+Tweet about this on Twitter